Hin g’frickelt is’

Ich habe 4 Jahre lang ausschließlich Ubuntu benutzt. Nein, die Steuererklärung habe ich nach wie vor mit Elster auf dem Windows-Notebook meiner Frau gemacht. Auf diese Bequemlichkeit will ich nicht verzichten, einfach die Formulardaten vom letzten Jahr kopieren, ändern und abschicken.
Ich kann wirklich nicht bestätigen, dass Ubuntu grenzenlos stabil ist. Ich erinnere mich da an die Systemabstürze, die durch zerkratzte DVD meiner Kinder verursacht wurden. Jedes Mal musste ich dann die Festplatte mit *Werkzeug vergessen* reparieren. Einmal jedoch schlug das fehl und eine Neuinstallation war fällig. Das Gleiche, wenn mein Sohn den Stecker bei laufendem Betrieb aus der Steckdose zog. Eine Maßname, die mir sehr oft weiter geholfen hat: Die System- von der Datenpartition zu trennen und öfter mal ein Systemimage anzufertigen. Oft zerschießt man sich ja auch das System, weil man mal eben einen Befehl ausprobiert. Von daher kann ich Ubuntu nicht die alleinige Schuld für manche Abstürze geben.
Neuerdings habe ich mal wieder Windows 7 installiert. Ich wollte nämlich der Weiterbildung frönen und mich in .NET einarbeiten. Ich dachte mir, mit C++ bin ich etwas antiquiert. Vor allem, weil ich beruflich sehr gerne agil entwickeln will und man dies wohl viel häufiger in modernen Sprachen tut, während man in C++ nur Anwendungen zu Tode wartet.
Nun, da ich meine Erfahrung mit .NET gesammelt habe, habe ich mir wieder ein Linux gegönnt. Ich habe also Unbuntu 10 installiert und: Mein lieber Herr Gesangsverein! Das funktioniert ja überhaupt nicht. Ich nahm an, so richtig gut läuft es nur mit proprietärem Grafikkartentreiber. Aber nach dessen installation war die Soundausgabe gemutet und ich bleibe beim herunter fahren beim Anmelden-Dialog hängen! Das Ganze ist auf meinem Rechner reproduzierbar. Für eine große Verwirrung sorgte auch, dass nach installieren des Treibers der kleine am VGA angeschlossene Bildschirm angepeilt wird, den ich für gewöhnlich ausschalte. Der große Monitor am DVI bleibt dunkel. Bis ich das gerafft hatte, das kleine Dinge einzuschalten. Also versuche ich es mit Kubuntu. Ich habe auch an OpenSuse gedacht, aber Ubuntu hat mich so lange treu begleitet und schließlich hat jede Distribution ihre Macken. Und Kubuntu ist ja auch ein Schlingel. Ich habe aus Angst zunächst mal den Grafikkartentreiber weg gelassen. Nachdem ich meine 2 Monitore auf Ausrichtung und Auflösung eingestellt habe und neu starte, hat KDE diese Einstellung vergessen! Ich musste diese Einstellungen tatsächlich per Hand in eine Datei eintragen. Mißtrauisch geworden, will ich zunächst meine Installation mit partimage sichern. Doch das unterstützt das neue Dateisystem ext4 nicht. Ich habe dann fsarchiver gefunden, dass den Dienst tat. Dieses Mal hat der Treiber nicht mehr das System zerschossen, Glück gehabt. Eine Schande: Lege ich eine Daten-CD ins Laufwerk, erkennt der KDE-Dateimanager Dolphin dies nicht. Erst nachdem ich Nautilus von Gnome installiere und diesen über die Shell starte kann ich meine CD öffnen.
Damit kann ich leben, eindeutig. Jetzt habe ich auch wieder ein lauffähiges System. Aber diese Frickelei !!! Wahnsinn! Warum mache ich das? An Linux hat mich immer die Tatsache fasziniert, dass es aus freiem Antrieb sozusagen freiwillig entwickelt wurde. Dass es so prächtig funktioniert kann eindeutig kein Grund sein. In dieser Hinsicht bin ich aus rein ideellen Gründen überzeugter Linux-Benutzer. Beruflich hätte ich aber grundsätzlich nichts gegen .NET einzuwenden.

 

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